Stöckalp – Talwärts statt auf die Frutt

Nebelmeer Stöckalp

Manchmal braucht es an einem Sonntag nur eine simple Entscheidung: Hinauf oder hinunter?

Mit Zug und Postauto geht es Richtung Stöckalp. Kurz vor der Endstation tauchen wir aus dem Nebel auf. Dieser Moment funktioniert einfach immer. Unten Suppe, oben Sonne. Und plötzlich fühlt sich alles schöner an.

Die Sonne macht keine halben Sachen und lotst uns schnurstracks ins Restaurant auf die Terrasse. Mit Kaffee in der Hand sitzen wir da und blinzeln ins Licht.

Die Stöckalp liegt auf rund 1100 Metern, ist Ausgangspunkt für die Frutt Bahn und im Winter ein beliebter Treffpunkt für Schneesportler. Und das merkt man. Es ist Sonntag, Skiferienzeit, viele tiefer gelegene Gebiete haben kaum Schnee. Entsprechend tummeln sich hier oben viele Menschen.

Eigentlich hatten wir schon damit geliebäugelt, hinauf auf die Melchsee-Frutt zu fahren. Doch der Rummel heute macht uns unschlüssig. Statt in die Gondel zu steigen, werfen wir einen Blick auf Google. Als Alternative poppt ein Wanderweg talwärts Richtung Melchtal auf.

Wir suchen den Einstieg und stellen fest, dass der Weg als Wanderweg und Schneeschuhtour markiert ist. Klingt nach Abenteuer mit einem kleinen Fragezeichen.

Für Schneeschuhe hat es zu wenig Schnee, für normale Wanderschuhe dafür etwas viel Eis. Schneeschuhe haben wir ohnehin keine dabei. Also montieren wir vorsorglich unsere Schuh-Schneeketten und stapfen los. Nicht perfekt. Aber hoffentlich machbar.

So gehen wir los und schauen, wie weit wir kommen. Mit jedem Schritt breitet sich vor uns dieses Panorama aus. Der Blick geht hinunter auf den Nebeldeckel, der wie eine weisse Wattewolke im Tal liegt. Um uns herum Berge, Tannen, Schneefelder, dazwischen braune Wiesen, die schon vom Frühling träumen.

Nach gut drei Kilometern überqueren wir den Bach, der sich schäumend zwischen Eis und Steinen durch das Tal fräst. Kaum sind wir drüben, taucht die Haltestelle Turrenbach vor uns auf.

Ein Blick auf den Fahrplan verrät: In wenigen Minuten fährt das Postauto. Am Sonntag nur stündlich. Also entscheiden wir uns klug statt ehrgeizig. Wir steigen ein und fahren zurück. Vitamin D aufgefüllt, Bewegung gehabt, Menschenmassen vermieden. Mehr wollten wir nicht.

Die Stöckalp hat uns wieder einmal gezeigt, dass es nicht immer höher, weiter oder spektakulärer sein muss. Manchmal reicht es, die Gondel abfahren zu lassen und nicht dem Strom zu folgen.

Wir sind nur ein Teilstück gegangen, aber die Strecke hat Potential. Im Sommer sicher schön als längere Tour, oder auch als Bergauf-Variante. Bei genügend Schnee dürfte sie sich auch als Schneeschuhtour lohnen.

Spickzettel

Start: Stöckalp
Ziel: Turrenbach, Melchtal
Distanz: ca. 3 km
Dauer: 1 bis 1,5 Stunden gemütlich
Höhenmeter: leicht abwärts
Anreise: Zug bis Sarnen, weiter mit dem Postauto Richtung Stöckalp. Am Sonntag teils nur stündliche Verbindungen.
Winterhinweis: Weg als Wanderweg und Schneeschuhtour markiert. Je nach Verhältnissen eisig.
Einkehr: Restaurant Stöckalp mit sonniger Terrasse.